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Kindheit & persönlicher Werdegang

(Dies ist ein Überblick. Ich gehe auf die meisten hier aufgegriffenen Themen auf anderen Seiten ausführlicher ein.)
Als ich Teenager war und unser Unihockeyteam ein Turnier gewann, hatte ich die Ehre, den Pokal im Namen meines Vereins abzuholen, der von einem hübschen Mädchen überreicht wurde. Aber da ich mich nicht beschmutzen wollte, verweigerte ich das Küsschen, verabreichte damit dem Mädchen eine virtuelle Ohrfeige und verursachte einen Aufschrei in der Turnhalle. 
Diese grundlegende Ungeschicklichkeit hatte viele Gründe:
Mir wurde eine sehr düstere Weltanschauung eingetrichtert. Da ich viele Jahre lang im rechtsextremen Flügel der evangelikalen Bewegung gelebt hatte, wurde mir schon in der Sonntagsschule das Buch der Farben unterrichtet. Es enthält keine Wörter und besteht nur aus vier farbigen Seiten:

  1. Schwarze Seite: Der Mensch wird verdorben und böse geboren, beim Tod kommt er in die Hölle.  
  2. Rote Seite: Jesus ist an meiner Stelle am Kreuz gestorben (Stellvertretung). Wenn ich sein blutiges Opfer annehme, gehe ich zur nächsten über:
  3. Weisse Seite: Busse, Bekehrung und Wiedergeburt führen zu einem schneeweissen Herzen, was den Weg für den letzten Schritt ebnet:
  4. Goldene Seite: Ich komme in den Himmel! 
In den Bewegungen, die ich durchlaufen habe, wird auch heute noch das schwarze Herz gelehrt. Im dogmatischen Jargon wird dies als „der gefallene Mensch“ bezeichnet.
Ich musste viele Jahre kämpfen, bevor ich es wagte, mir einzugestehen, dass es eine große Kluft zwischen dem, was ich gelernt hatte, und meinen persönlichen Erfahrungen gab, und bevor ich meine theologischen Überlegungen an sich vertiefen konnte: So schloss ich 2022 das fünfte und letzte Jahr des Studiums des klassischen Hebräisch an der Hebräischen Universität in Jerusalem ab (das Alte Testament ist fast ausschliesslich auf Hebräisch verfasst). Ich habe auch drei Jahre biblisches Griechisch studiert (das Neue Testament is auf Griechisch). Die Entdeckung, die meine Weltsicht am meisten veränderte, war die Erkenntnis, dass die „Hölle von vornherein“ ein dem Judentum fremdes Konzept ist, das nicht aus der Bibel stammt und sich erst im dritten Jahrhundert n. Chr. von einem Verrückten namens Mani ins Christentum eingeschlichen hat, der eine nach ihm benannte Sekte, den Manichäismus, gründete. 
Mani ist den evangelikalen Theologen vielleicht genauso unbekannt wie der Fußabdruck, den er im Christentum hinterlassen hat, immens ist. Es gibt mehrere Gründe, warum Mani der Aufmerksamkeit der Theologen entgangen ist. Der erste könnte darin bestehen, dass diese Sekte schon lange nicht mehr existiert. Ein anderer ist, dass sie heftig bekämpft wurde. Im vierten Jahrhundert badete ein junger Philosoph namens Augustinus, der später zum bedeutendsten Kirchenvater der Geschichte werden sollte, neun Jahre lang im Manichäismus, bevor er sich dem zuwandte, was später die katholische Kirche werden sollte. Als Priester würde er die Sekte, die er nur zu gut kannte, bekämpfen, aber unbewusst würde er einige der Ideen Manis in seine christlichen Lehren einfließen lassen. Augustinus war wie ein Forscher auf der Entdeckung des Unbekannten, der seine Erleuchtungen nur auf der Grundlage dessen bewerten konnte, was er von Seiten Manis bereits kannte. So kam laut Augustinus ein Kind, das vor seiner Taufe starb, in die Hölle, auch wenn beide Elternteile Christen waren. Während der Reformation im 16. Jahrhundert waren sowohl die Protestanten als auch die Katholiken Anhänger von Augustinus und führten die Lehre fort, dass man ein guter Christ sein müsse (eine echte Beziehung zu Jesus für die Protestanten oder eine richtige Beziehung zur Kirche für die Katholiken), um der ewigen Strafe zu entgehen und in die ewigen Seligkeiten einzugehen. Natürlich sind diese Aussagen in der Praxis des modernen Christentums verblasst. Aber im Grunde ist das „schwarze Herz von Natur aus“ oder die „Hölle von vornherein“ immer noch fest in der Geschichte und den Grundlagen des Christentums verankert, insbesondere in den evangelikalen Bewegungen (die alle aus einer Erneuerungsbewegung des Protestantismus hervorgegangen sind). Gemäß den ersten Kapiteln der Bibel hat Gott den Menschen nicht sterben lassen, um ihn zur Hölle zu verurteilen, sondern die Welt der Unbeständigkeit unterworfen, um ihn davon zu befreien. Wenn man in einem fundamentalistisch-christlichen Umfeld aufgewachsen ist, ist dieser Gedanke so undenkbar, wie er für einen Juden leicht nachvollziehbar ist. Beide lesen denselben Text, das ist wahr, aber nicht durch dieselbe Brille. Zur Zeit Jesu führten die Juden die Existenz des Bösen auf ein anderes Ereignis zurück, das in 1. Mose einige Kapitel später beschrieben wird. 
Nach der damaligen hebräischen Vorstellung kam das Böse auf der Erde also nicht von der Frau (die von der Schlange verführt wurde), sondern von Göttern/übernatürlichen Wesen, die Frauen begehrten. ​
Im Neuen Testament findet man übrigens eine ganze Reihe von Spuren davon. Im Grunde besteht der einzige Unterschied zwischen einem Juden und einem Christen darin, dass der Jude noch auf den Messias wartet, während der Christ davon überzeugt ist, dass er bereits gekommen ist. In der Realität ist das jedoch etwas komplizierter. Abgesehen davon waren die ersten Christen alle Juden, die frühe Kirche war rein jüdisch und das Christentum begann erst in den Jahrhunderten nach Christus als eine vom Judentum getrennte Bewegung betrachtet zu werden. Die Auslöschung Israels von der Landkarte, seine Umbenennung in Palästina durch die Römer (um sicherzustellen, dass man sich nie wieder an Israel erinnern würde), der Anstieg eines verstärkten Antisemitismus im römischen Reich und schließlich die Verstaatlichung des Christentums im 4. Jahrhundert sind einige der Gründe dafür.
 
Diese Argumentationen mögen für Sie lächerlich klingen, aber sie haben mein Leben von Grund auf verändert:
Der Arzt im Krankenhaus, die Kassiererin in der Migros, der Lehrer in der Schule oder die Fitnesstrainerin – wie kann man ihnen vertrauen, wenn ihr Herz schwarz ist, wenn sie den Heiligen Geist nicht empfangen haben und nicht regeneriert sind?​
Eine iranische Bekannte, die vor dem Regime in Teheran fliehen musste, hat treffend bemerkt, dass jede sektenähnliche Bewegung nach diesem Prinzip funktioniert: Den Anhängern wird weisgemacht, dass die Welt außerhalb ihrer Bewegung schwarz und böse ist und dass sie nur innerhalb ihres Kreises Sicherheit finden können. Was man in der frühen Kindheit lernt, kann man nicht so leicht wieder loswerden! Erst als ich auf die 40 zuging und erst nach vielen Studien konnte ich mir intellektuell wirklich eingestehen, was ich in meinem tiefsten Inneren schon immer wusste: 
Nicht verdorben wird der Mensch geboren, sondern menschlich!
Meine Eltern waren anderer Meinung. Meine Mutter warnte mich wiederholt vor einem Mädchen, das mich ab und zu auf einen Drink einlud, weil ihre Mutter schwarz gekleidet war und meine Mutter ihr Verhalten für verdächtig hielt. Dass meine Freundin in einer anderen evangelischen Kirche war (die sich allerdings von unserer unterschied), spielte in diesem Fall keine große Rolle. Denn Christ zu sein bedeutete nicht unbedingt, auch wirklich Christ zu sein! Die Selbstprüfung – oder, um es etwas kirchlicher auszudrücken, das Streben nach Heiligung – war eine weitere große Last in meinem Leben. Ich hatte zwar bei der Wiedergeburt ein weißes Herz erhalten, aber letztlich genügte eine Sünde, um es zu verunreinigen. Das gefährlichste Objekt, um sich zu beschmutzen, war dabei weiblicher Natur. Ich weiss nicht, ob es die Kirche oder meine Eltern waren, die diese Warnungen am meisten in mein leichtgläubiges, aufrichtiges und naiv fügsames Herz hämmerten: Die Frau, ein Objekt der Verführung und des Unglücks für jeden, der ihr erliegt!
Die Frau, ein Objekt!
Ich habe von klein auf unter der dunklen, evangelikalen Weltanschauung gelitten. Meine Mutter war im Gegensatz zu meinem Papa eine sensible Seele und musste unter dem Joch ihrer eigenen Überzeugungen leiden. Sie hatte ihr ganzes Leben lang mit Verdauungsproblemen zu kämpfen. Bei mir führte der fromme Wahn schon als Teenager zusätzlich auch zu Schlaflosigkeit. Schließlich begab ich mich in Therapie bei einem christlichen Psychologen der evangelikalen Bewegung. Dieser Umstand wurde später von meinen eigenen Eltern gegen mich gewendet, als Eheprobleme auftauchten: „Chris war schon immer psychisch schwach“. Auf der Suche nach innerem Frieden suchte ich schon in jungen Jahren Zuflucht im religiösen Fanatismus. 
​Ich geriet immer tiefer in den evangelikalen Extremismus. Vor allem der Kontakt mit einem sektiererischen Theologieprofessor, von dem noch oft die Rede sein wird, war besonders giftig. Meine Tante hatte meinen Vater in meiner Jugend gewarnt, dass dieser Fanatismus für mich ungesund sei. Nun hatte ihre Warnung in den Augen meines Vaters nicht das geringste Gewicht. In ihrer Jugend hatte sie sich in einen Italiener verliebt. Nun wurden Italiener zu jener Zeit in der Schweiz verachtet. Er hatte nicht nur keine Berufsausbildung, sondern war auch noch katholisch. Eine Ehe mit einem solchen Nichtsnutz war in ihrer Familie ausgeschlossen, weshalb sie bis heute im Konkubinat lebt. Als direkte Konsequenz hatte sie in der Kirche keinen Platz und lebt somit “in der Welt”. Mein Papa hält bis heute kaum etwas von ihr. ​Meine Tante und ihr Mann sind sich ihr ganzes Leben lang treu geblieben. Sie leben heute zusammen, haben aber nie geheiratet, auch nicht nach dem Tod meiner Großeltern. 
Wenn jemand der Verführung mit dem frömmsten Äußeren zum Opfer gefallen ist, dann bin ich das. Da ich in der psychologischen Fachsprache „hochsensibel“ bin – etwas, das ich erst vor kurzem entdeckt habe – erlebe ich die Dinge emotional intensiver als andere, was es mir manchmal schwer macht, eine Information oder in diesem Fall eine Warnung in die richtige Waagschale zu werfen. In einem Umfeld aufgewachsen zu sein, in dem die Weltsicht nicht sehr ausgewogen war, hat mir ehrlich gesagt nicht geholfen. Und ja, was mir am meisten fehlte, war Ausgewogenheit. In meiner Jugend war das Einzige, was wirklich zählte, Glaube. Die richtige Glaube! So kam es, dass ich die Liebe meines Lebens mit einer Polin absagte, weil sie katholisch und nicht evangelisch war. Im Gegensatz zum ersten Mädchen hätte meine Mutter mich bei diesem Vorhaben unterstützt, weil sie sah, dass sie eine wertvolle Frau war. Dies ist umso bemerkenswerter, als mein religiöses Umfeld (und besonders mein Vater) vom Katholizismus ein sehr düsteres Bild malte. Auf Anraten des Theologie Professoren, der damals mein Vorbild war, schrieb ich schließlich einen langen Brief an dieses Mädchen und sammelte alle theologischen Argumente gegen die katholische Kirche, die ich damals finden konnte. Warum? Sie musste eine echte Christin werden, was Reue, Bekehrung und Wiedergeburt durch die Gabe des Heiligen Geistes erforderte. ​Sie musste sanft werden, hart Buss tun, auf die Erde niederknien und zum Himmel hinauf beten. Was ich nicht im Voraus wissen konnte, war, dass dieser Brief zu dem Zeitpunkt eintreffen würde, als ihr Vater starb. Im schlimmsten Moment ihres Lebens brach ich ihr das Herz und versetzte ihr und ihrer ganzen Familie eine schallende Ohrfeige. Daraufhin verließ sie Polen und lebte im Vereinigten Königreich. Heute lebt sie in Dubai und hat sich nie wieder in Polen niedergelassen. 
Kurz darauf lernte ich meine Ex-Frau kennen. Sie stammte aus einer Missionarsfamilie und war die Frau meiner evangelikalen Träume, ich, der ich eine Karriere als Pastor im Reich Gottes anstreben. Die Freundschaftszeit war kompliziert, aber mein Freund, der theologische Gelehrte, ermutigte mich, durchzuhalten. Wissen Sie, jeder Gottesmann wird vom Widersacher versucht. Der Bruder meiner zukünftigen Frau war schockiert über meine Ansichten hinsichtlich der Frau in der Kirche. Vielleicht erkannte er auch, dass wir charakterlich nicht zusammenpassten, wie auf jeden Fall meine Tante feststellte. Aber angesichts der unerschütterlichen Unterstützung des größten Gottesmannes unserer Zeit, meines Freundes, des bibeltreuen Theologieprofessors, hatten das sanfte Fragen der Tante (der Frau des Italieners) und der besorgte Rat meines zukünftigen Schwagers, unsere Verlobung aufzulösen, nicht das nötige Gewicht. Und dabei stand hinsichtlich meines Extremismus das Schlimmste ja erst bevor! Wie die deutschen Soldaten zu Beginn des Ersten Weltkrieges singend in den Kampf gezogen sind, bin ich jubelnd ins Schiff der Ehe gestiegen. Das Singen ist mir allerdings schnell vergangen. Unsere Ehe funktionierte nicht.

Das Grundproblem war einfach: Wir waren nicht füreinander geschaffen, ein Konzept, von dem ich kaum je gehört hatte.

Denn wenn zwei Menschen Jesus lieben, dann können sie nicht anders, als sich gegenseitig zu lieben. In den ersten vier Jahren verstand ich nicht, was los war. Dabei hatte ich alles so gemacht, wie es mir gesagt worden war: Jesus stand an erster Stelle, ich ging zur Kirche, las die Bibel, betete jeden Tag auf meinen Knien etc. Ich hörte überhaupt keine Rockmusik mehr, egal ob christlich oder nicht. Die CDs von Peter Reber verrotteten auf dem Schrottplatz (peterreber.ch) und meine Frau musste sich von der Musik von Jean-Jacques Goldmann trennen (jjgoldman.net). Denn als sich das Volk Israel das Goldene Kalb zum Götzen machte und Mose mit Josua vom Berg Sinai herabstieg, hörte sich ihre Musik wie Kriegsgeschrei an (2Mo 32,17-18): „Rockmusik!“ Die Bibel spricht also doch darüber! Begeistert Sie Rockmusik? Dann sind Sie von einem Geist der Götzenverehrung verzaubert, genau wie einst das Volk Israel vom goldenen Kalb! So kann man also irgendwelche Bibelverse dazu umbiegen, dass sie das sagen, was man denkt, dass sie sagen müssen. Und wer es anders sieht, der ist fleischlich und geistlich gesprochen noch in den Kinderschuhen, sollte er überhaupt wiedergeboren wein. „Im Himmel wird es kein Schlagzeug geben“, donnerte mein Freund, der vom Heiligen Geist inspirierte Theologieprofessor mit göttlicher Autorität manchmal von der Kanzel aus. Kein Engel, das hatte ihm Gott selbst gezeigt. Mit dem damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten befreundet zu sein, wäre nichts im Vergleich dazu gewesen. Im Laufe der Jahre hatte ich zwei Kisten mit Briefen von ihm angesammelt. Leider habe ich sie später weggeworfen. Die etwas weniger strenge Warnung vor moderner Musik hatte ich zugegebenermaßen schon in meiner Kindheit gehört, vor allem von meinem Papa (ich durfte zum Beispiel Polo Hofer nicht hören, siehe polohofer.ch). Katholizismus, Muslime, christliche Rockmusik, lüsterne Frauen... mein Vater hatte auf vielen Ebenen gute Vorarbeit geleistet, so dass es nur noch ein Schritt war, um in die extremste Szene abzudriften. Während dieser ganzen Zeit war unser Sexualleben auf Null. Damals hätte ich das so nicht ausdrücken können, aber im Nachhinein betrachtet war es das: Meine Frau verbot mir, Mann zu sein, ich hingegen verbot ihr, Frau zu sein! Sie musste sich von Ohrringen trennen, auf Make-up verzichten, musste lange Kleider tragen und durfte keine Hosen mehr anziehen:
“Männerzeug darf nicht auf einer Frau sein, und ein Mann darf nicht das Gewand einer Frau anziehen“
​(5Mo 22,5) 
So hatte Moses befohlen. Damals trugen Männer zwar Röcke, aber der hebräische Gesetzgeber dachte in Wahrheit an unsere Zeit. Frauen dürfen also keine Hosen tragen und Männer keine Röcke. Sie sind Schotte? Tja, Pech gehabt! Vorausgesetzt Sie haben kräftig Busse getan, mit dem Herrn Jesus ganze Sache gemacht, und konsequenterweise jetzt die Fülle des Heiligen Geistes, braucht es keine weiteren Erklärungen mehr. Und wenn Ihre geistige Blindheit Sie noch nicht von der Wahrheit dessen überzeugt hat, was dieser Apostel Christi bekundet hat, dann wird Ihnen Ihre fleischliche Sehkraft dies unmissverständlich beweisen. Denn jede öffentliche Toilette zeugt davon: 
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Vor unserer Hochzeit hatte ich meinem Freund, dem Theologieprofessor, stolz ein Foto von meiner zukünftigen Verlobten und mir geschickt, auf dem wir beide mitten im Sommer auf dem Rasen saßen. Vom Heiligen Geist ergriffen, zögerte er nicht lange, unsere Unanständigkeit zu tadeln, denn ich trug kurze Hosen und ein ärmelloses Tanktop, und obwohl meine Verlobte, wie es sich gehört, ein langes Kleid trug, waren auch ihre Schultern nicht bedeckt. „Ich mag mich noch gut erinnern,“ schrieb mir der Professor, „als Jesus mir als junger Pfarrer gezeigt hat, dass es sich für einen Gottesmann geziemt, die Beine und Arme bedenkende Kleidung zu tragen.“ Zu Beginn unserer Ehe kleidete ich mich daher so, dass selbst im Hochsommer nur meine Hände und mein Kopf unbedeckt blieben. Irgendwie haben mich die Erklärungen des gottergebenen Theologieprofessoren zwar nie richtig überzeugt, aber in Sachen Geistesfülle konnte ich mich leider nicht mit ihm messen. Meine Lebensgefährtin konnte meinen Extremismus nicht wirklich nachvollziehen. Anfangs folgte sie mir mit ganzem Herzen, aber je mehr ich im Sumpf des Fanatismus versank, desto mehr hat sie es wohl mit geteiltem Herzen tun müssen. Und sie musste dafür einen hohen Preis zahlen, denn ihre Familie verstand die Welt nicht mehr. Dieser Wahnsinn kam nicht von mir oder meinen Eltern, sondern von dem bereits erwähnten Theologiegelehrten, der nicht müde wurde, seine Treue zum Wort Gottes, der Bibel, zu preisen. Abgesehen von seinem Charisma war seine glückliche Ehe das Faszinierendste für mich. Er lobte immer wieder seine geliebte Frau und ihre Ehe, die nur aufgrund ihrer echten Beziehung zum Herrn Jesus aufblühte.

Eine glückliche Ehe!

Von allen Träumen, die ich damals hatte, war dies der größte. 
Um in meiner Ehe erfolgreich zu sein, musste ich also genauso handeln wie er. Im Nachhinein bin ich heute davon überzeugt, dass Männer, die Frauen die Weiblichkeit verbieten, selbst ein echtes Problem mit ihrer eigenen männlichen Identität haben.
Scheidung
Chris Zürcher. Seite aktualisiert am 3. April 2025
By Chris Zürcher. Site updated on 14 July 2026
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