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Heiliger Geist & Sex

In dem kirchlichen Umfeld, in dem ich grossgeworden bin, wurde Sexualität ausserhalb der monogamen, heterosexuellen Ehe schnell mit Unreinheit und Sünde in Verbindung gebracht. Ich habe deshalb als junger Mann bei meinem damaligen Vorbild, einem Theologieprofessoren um Hilfe gesucht. Er hat mit mir gebetet und mir die Hände aufgelegt. Trotz dieser mächtigen Salbung des Heiligen Geistes hat Gott mir nie den "Sieg" über die Selbstbefriedigung gegeben. 
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Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, dass sich all diese Probleme automatisch lösen würden, wenn ich erst einmal heiratete. Was für eine böse Überraschung, als es dann endlich, endlich soweit war. Denn jetzt war das Dilemma noch schlimmer. Ich hatte gelernt, dass „Sex = Fleisch“ bedeutet. Obwohl ich davon überzeugt war, dass Sexualität grundsätzlich auch ein Geschenk Gottes sein kann, konnte ich angesichts einer Frau, die nur selten das Bedürfnis danach verspürte, nur fleischlich sein. Wir suchten mehrmals Hilfe bei Heim- & Hobby Seelsorgern, d.h. bei Pastoren oder Ältesten unserer Bewegung (vor allem wegen der anderen Eheprobleme), und obwohl das Thema Sexualität mehrmals oberflächlich angesprochen wurde, wagte ich nie wirklich, offen darüber zu sprechen, denn das hätte bedeutet, explizit zuzugeben, dass ich fleischlich war. Meine Frau versuchte ihrerseits viel häufiger, sich mir „zur Verfügung zu stellen“, als sie das Bedürfnis oder den Wunsch dazu verspürte. So kam es, dass ich oft mit einer Frau zusammen war, die mehr Unbehagen als Lust empfand, was für mich jedes Mal eine echte Enttäuschung bedeutete. Im Laufe der Jahre haben wir so Berge von Enttäuschungen und – zumindest bei mir – schließlich Ekel angehäuft.

Hinsichtlich der Einwilligung wird inzwischen immer häufiger von dem Prinzip „nur ein Ja ist ein Ja“ gesprochen. Ich stimme dem Grundsatz von ganzem Herzen zu. Was ich bedauere, ist, dass nur einer der beiden Aspekte des Problems angesprochen wird, nämlich der, der die Frau betrifft. Männer müssen sich halt einfach nur eine Klammer auf ihren Pimmel stecken. 

​Aber welche Möglichkeiten bleiben einem verheirateten Mann, der seine Sexualität nicht richtig ausleben kann? Pornografie, Untreue, Prostituierte? Unsere monogamen Gesellschaften bieten keine Lösung, die nicht nur rechtlich, sondern auch in unserem Moralverständnis wirklich akzeptabel ist.
In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit meiner Vergangenheit befasst, und herausgefunden, dass meine sexuellen Bedürfnisse wissenschaftlich erklärbar und nicht das Ergebnis von irgendwelch geistlichen Unreinheiten sind: ​
Testosteron ist ein Sexualhormon, das Männer hauptsächlich in den Hoden produzieren. Die tägliche Testosteronproduktion ist bei Männern (7 mg) etwa zehnmal höher als bei Frauen (0.7 mg). Bei Frauen wird es nicht nur in wesentlich geringeren Mengen, sondern teilweise auch in anderen Organen hergestellt. Dieses Hormon ist nicht nur für den Sexualtrieb, es ist auch für die Zunahme der Muskelmasse und Muskelkraft sowie die Knochendichte verantwortlich. Männer sind deshalb in der Regel kräftiger als Frauen, und die Knochenmasse eines erwachsenen Mannes ist verhältnismässig etwas höher. Testosteron beeinflusst aber nicht nur die Libido, es hemmt auch das Stresshormon Cortisol. Weil bei Frauen weniger Testosteron im Hirn zirkuliert, hat das Stresshormon bei ihnen auch einen größeren Einfluss. Frauen sind deshalb meistens emotionaler und ängstlicher als Männer. 
Das „Sexualzentrum“ des Menschen befindet sich im Zwischenhirn. Der – wenn auch nur mehrere Millimeter große – Nervenzellkern Nucleus präopticus medialis ist bei Männern mehr als doppelt so groß wie bei Frauen. Er steuert unter anderem typisch männliches Verhalten wie Dominanz, Aggression oder Sexualtriebt. Bei Frauen fehlt diese Schaltzentrale. Bei ihnen sind Dominanz, Aggression und Sexualtrieb entkoppelt und werden von verschiedenen Nervenkernen im Zwischenhirn gesteuert. Auch bei Hirnarealen, die für kognitive Funktionen zuständig sind, gibt es Geschlechtsunterschiede. Frauen haben im Mittel ein relativ größeres Sprachzentrum und Forschungsergebnisse suggerieren, dass diese anatomischen Merkmale mit höheren Sprachfertigkeiten von Frauen korrelieren. 

​Wenn Männer Sport treiben, dann oft als Wettkampf um sich mit anderen zu messen. Frauen dagegen betätigen sich sportlich tendenziell eher, weil sie es gerne machen oder ihrer Gesundheit zu liebe. Kommunikation – also der soziale Aspekt – ist ihnen oftmals wichtiger als Wettkampf.
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Kurz: Wenn in der Wirtschaft und Politik mehr Männer als Frauen führende Funktionen übernehmen, dann hat das also durchaus auch hormonelle und neurologische Gründe. Ich begrüsse Gleichberechtigung und geschlechtliche Vielfalt auf jeder Ebene. Ich sage lediglich, dass es wesentliche (biologische) Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, die positiv und ergänzend sind. ​

Das Sexualhormon Testosteron hat aber nicht nur Auswirkungen auf das soziale Verhalten, es beeinflusst eben auch das sexuelle: 

Männer brauchen mehr Sex als Frauen! ​


Die Tatsache, dass ich mich während meiner 17-jährigen Ehe auf sexueller Ebene systematisch zurückhalten musste, war für mich ein riesiges Problem. Es war so enorm, wie mein religiöser Fanatismus extrem war. 
Die Monogamie als traditionell einzig akzeptierte Form der Ehe bringt eine nicht unbedeutende Anzahl von Männern in herausfordernde Situationen. Gewiss, es mag schon legale Lösungen dafür geben, aber unsere Gesellschaft tendiert dazu, sie zu verachten: 
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  • Prostituierte
  • Pornographie
  • Fremdgehen
  • Scheidung
Wehe dem Politiker an dem Tag, an dem herauskommt, dass er bei einer Prostituierte war!
Wie die #MeToo Bewegung ans Licht gebracht hat, gelingt es nicht allen Männern, ihre Sexualität im Zaum legaler Praktiken zu halten. ​

Enthaltung & illegal sexuelle Praktiken

Insbesondere bei katholischen Priestern, die „im Namen Gottes“ zölibatär leben müssen, kann dies zu pädophilem Missbrauch führen. Das Dogma des Zölibats hat im Übrigen keine biblische Grundlage. In der Bibel waren die Priester verheiratet – und zwar mit mindestens einer Frau. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu beachten, dass die Bibel perverse Praktiken wie Zoophilie oder Pädophilie kannte (die natürlich illegal waren), aber im polygamen Kontext des jüdischen Kanons war Pädophilie ein unbekanntes Phänomen: Außerhalb des Gesetzes wird sie in keinem Text erwähnt.
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In einem polygamen Umfeld wären die Qualitäten meiner ex-Frau zum Tragen gekommen, und die Spannungen auf sexueller Ebene wären ausgeglichen worden. Da ich meine sexuellen Bedürfnisse aber meiner Fleischlichkeit zuschrieb, und nicht als gottgegebenes Geschenk betrachtete, suchte ich die Lösung meiner seelischen Unruhe im religiösen Fanatismus. 
Von Chris Zürcher. Seite aktualisiert am 18. Januar 2025
By Chris Zürcher. Site updated on 14 July 2026
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