Dies ist ein kleiner Auszug aus meinem Buch (die Anmerkungen und Verweise sind jedoch teilweise unvollständig oder beziehen sich gelegentlich auf Inhalte, die nur im Buch behandelt werden). Man kann dieses Unterkapitel in einem Satz zusammenfassen:
Das Problem der anderen Göttern war nie ein religiöses, sondern immer ein ethisches.
Gott & Götter
Die meisten Leser dieses Buches sind wahrscheinlich – wenn Theisten – Monotheisten. In unserem Sprachgebrauch meint man damit, dass es nur einen Gott gibt. Biblisch gesprochen gibt es aber nicht nur einen Gott, sondern viele. Das Wort „Gott“ ist in Hebräisch in der Mehrzahl (Elohim), müsste wörtlich also mit „Götter“ übersetzt werden. Aus diesem Grund ist es manchmal einzig der Kontext im Alten Testament, der es dem hebräischen Leser erlaubt zu unterscheiden, ob nun von „Gott“ (Elohim) oder von „Göttern“ die Rede ist (ebenfalls „Elohim“ – beide werden genau gleich geschrieben)[1]. Was Gott von Göttern unterscheidet, ist, dass er „grösser ist als alle Götter“ (Ps 135,5). Genauer gesagt ist die biblische Götterwelt nicht monotheistisch, sondern henotheistisch. Im Gegensatz zum Monotheismus anerkennt Henotheismus die Existenz anderer, niedrigerer Gottheiten und übernatürlicher Wesen (Seraphim, Engel, Dämonen usw.). Der Glaube der Juden und Christen ist streng genommen also henotheistisch.
Konkret: In 2. Mose 12,12 will Gott an „allen Göttern der Ägypter ein Strafgericht vollziehen“. In Jeremia 43,12 führt er die sie in Gefangenschaft. Im Buch Hiob (2,1) kommen „die Söhne Gottes“ zusammen, und unter ihnen fand sich sogar „der Satan, um sich vor den Herrn zu stellen.“ Und (nicht nur) im Buch Hesekiel wimmelt es von übernatürlichen Wesen; einige haben vier Gesichter und vier Flügel (Kapitel 1 u.a.), Seraphim (vom hebräischen Verb „brennen“ abgeleitet) hatten sogar sechs (Jes 6,2 u.a.). Cherubim bewachten den Garten Eden (1. Mo 3,24 u.a.) und ihre Repräsentation später dann die Bundeslade im Allerheiligsten der Stiftshütte, resp. des ersten Tempels bis zur babylonischen Gefangenschaft. Auch Engel finden wir, allerdings haben diese nur in Hollywood, unserer Fantasie und in kirchlichen Repräsentationen Flügel. Wer in den biblischen Schriften nach beflügelten Engeln sucht, wird nicht fündig. Unter diesen himmlischen – oft anonymen – Boten werden zwei, nämlich Michael und Gabriel (beide im Buch Daniel sowie im Neuen Testament) namentlich genannt.
Die Macht der Götter wurde im Orient nicht nur bei den Pharaonen an deren militärischem Erfolg gemessen. Das gleiche Prinzip ist auch deutlich in der Bibel verankert. Die Kühnheit des Propheten Jeremias ist schwer nachzuvollziehen, wenn wir im gemütlichen Sessel seine Gerichtsreden über die Heidnischen Götter lesen. Jeremia musste zu seinen Lebzeiten zusehen, wie eine judäische Stadt nach der andern von den Babyloniern erobert und schließlich sogar Jerusalem von der damaligen Weltmacht in der letzten von drei aufeinanderfolgenden Belagerungen zerstört wurde (587/586 v. Chr.). Entgegen der auf der Hand liegenden Folgerung, der Gott der Juden sei den Göttern anderen Völkern unterlegen, behauptete Jeremia, das Exil sei die Konsequenz der jüdischen Untreue ihrem Gott gegenüber. Zu einem Zeitpunkt, als alles das Gegenteil zu beweisen schien, sprach Jeremia Gerichtsreden nicht nur über Amon, den Hauptgott der Stadt No (Theben) im Süden Ägyptens (Jer 46,25 ff.), über Kemosch, den Herrn der Moabiter (Jer 48,1 ff.) oder über Milkom, der Gottheit der Ammoniter (Jer 49,1 ff.), er wagte es gar zu behaupten, dass es der Gott der Bibel selbst sein werde, welcher der babylonischen Religion ein Ende machen werde. Nicht nur die Babylonier, nicht nur deren Herrscher, ja gar deren Götter Bel und Merodach und die sie repräsentierenden Götzenbilder würden selbst ins Exil gehen (Jer 50,2 ff.).
Konkret: In 2. Mose 12,12 will Gott an „allen Göttern der Ägypter ein Strafgericht vollziehen“. In Jeremia 43,12 führt er die sie in Gefangenschaft. Im Buch Hiob (2,1) kommen „die Söhne Gottes“ zusammen, und unter ihnen fand sich sogar „der Satan, um sich vor den Herrn zu stellen.“ Und (nicht nur) im Buch Hesekiel wimmelt es von übernatürlichen Wesen; einige haben vier Gesichter und vier Flügel (Kapitel 1 u.a.), Seraphim (vom hebräischen Verb „brennen“ abgeleitet) hatten sogar sechs (Jes 6,2 u.a.). Cherubim bewachten den Garten Eden (1. Mo 3,24 u.a.) und ihre Repräsentation später dann die Bundeslade im Allerheiligsten der Stiftshütte, resp. des ersten Tempels bis zur babylonischen Gefangenschaft. Auch Engel finden wir, allerdings haben diese nur in Hollywood, unserer Fantasie und in kirchlichen Repräsentationen Flügel. Wer in den biblischen Schriften nach beflügelten Engeln sucht, wird nicht fündig. Unter diesen himmlischen – oft anonymen – Boten werden zwei, nämlich Michael und Gabriel (beide im Buch Daniel sowie im Neuen Testament) namentlich genannt.
Die Macht der Götter wurde im Orient nicht nur bei den Pharaonen an deren militärischem Erfolg gemessen. Das gleiche Prinzip ist auch deutlich in der Bibel verankert. Die Kühnheit des Propheten Jeremias ist schwer nachzuvollziehen, wenn wir im gemütlichen Sessel seine Gerichtsreden über die Heidnischen Götter lesen. Jeremia musste zu seinen Lebzeiten zusehen, wie eine judäische Stadt nach der andern von den Babyloniern erobert und schließlich sogar Jerusalem von der damaligen Weltmacht in der letzten von drei aufeinanderfolgenden Belagerungen zerstört wurde (587/586 v. Chr.). Entgegen der auf der Hand liegenden Folgerung, der Gott der Juden sei den Göttern anderen Völkern unterlegen, behauptete Jeremia, das Exil sei die Konsequenz der jüdischen Untreue ihrem Gott gegenüber. Zu einem Zeitpunkt, als alles das Gegenteil zu beweisen schien, sprach Jeremia Gerichtsreden nicht nur über Amon, den Hauptgott der Stadt No (Theben) im Süden Ägyptens (Jer 46,25 ff.), über Kemosch, den Herrn der Moabiter (Jer 48,1 ff.) oder über Milkom, der Gottheit der Ammoniter (Jer 49,1 ff.), er wagte es gar zu behaupten, dass es der Gott der Bibel selbst sein werde, welcher der babylonischen Religion ein Ende machen werde. Nicht nur die Babylonier, nicht nur deren Herrscher, ja gar deren Götter Bel und Merodach und die sie repräsentierenden Götzenbilder würden selbst ins Exil gehen (Jer 50,2 ff.).
Der Geist Gottes selbst ist dabei nur einer von verschiedenen Geistern, die wir in der Bibel antreffen. Ein irreführender Begriff ist das Wort „Dämon“. Während wir im Psalm 96,5 lesen, dass „alle Götter der Völker … nichtige Götzen“ sind, übersetzt die Septuaginta wörtlich mit „denn alle Götter der Völker sind Dämonen“. Das griechische Wort „Dämon“ (daimonion[2]) ist nämlich nichts anderes als ein Diminutiv. Das Suffix „ion“ ist eine Verkleinerungsform wie etwa das „lein“ im Deutschen. Damit können wir aus einem „Garten“ ein „Gärtlein“, aus einer „Frau“ ein „Fräulein“ und aus einem „Mann“ ein „Männlein“ machen. Ein Dämon war also nichts anderes als eine niedrigere Form einer Gottheit, eben ein „Göttlein“. Als Paulus in Athen von Jesus sprach, fragten sich einige der epikureischen und stoischen Philosophen, ob er wohl von „fremden Göttern“ spreche (Apg 17,18). Lukas braucht hier das griechische Wort „Dämonen“. Unsere Bibeln übersetzen diesen Begriff je nach Kontext also verschieden, was den Leser leicht zu falschen Schlussfolgerungen führen kann. Ich bin in einem kirchlichen Kontext aufgewachsen, in dem „Dämonen“ einem als satanische Wesen vorgemalt wurden, die sich manche vielleicht mit schwarzen Schwänzen, roten Augen, einer Gabel und glühendem Atem vorstellen. Sprachlich gesehen war der griechische Begriff am Anfang aber neutral, und stand nicht mit Satan im Zusammenhang. Es ist in diesem Kontext bemerkenswert, dass Jesus in Matthäus 25,41 die Diener Satans nicht als „Dämonen“, sondern als Engel des Teufels bezeichnet. Erst im Verlauf der Kirchengeschichte wurden Dämonen teuflisch. Interessant ist auch die Tatsache, der der große Kirchenvater Augustinus noch im fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung in seinem lateinischen Werk „Vom Gottesstaat“ die Begriffe „Dämon“ und (kleiner) „Gott“ als austauschbar betrachtete[3]. Dämonen in der Bibel sind nicht böse (im Sinne von teuflisch), sie sind unrein. Mehr dazu später. Damals waren Götter:
- national:
- „Wo sind die Götter von Hamat und Arpad? Wo sind die Götter von Sepharwajim? Haben sie etwa Samaria aus meiner Hand errettet? Wen gibt es unter allen Göttern dieser Länder, der sein Land aus meiner Hand errettet hätte, daß der HERR Jerusalem aus meiner Hand erretten sollte?“ Jesaja 36,19-20
- „Hat je ein Heidenvolk die Götter gewechselt?“ (die Antwort auf diese rhetorische Frage ist „nein!“) Jeremia 2,11
- geographisch:
- „Ihr Gott ist ein Gott der Berge, deshalb haben sie uns überwunden. Aber lasst uns mit ihnen auf der Ebene kämpfen – gewiss werden wir sie überwinden!“ 1 Könige 20,23
- „Denn so viele Städte du hast, Juda, so viele Götter hast du auch …“ Jeremia 11,13
- familiär:
- „der Gott Abrahams und der Gott Nahors“ 1 Mose 31,53
- „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du gerettet werden, du und dein Haus.“ Apostelgeschichte 16,31
Dabei ist nicht zu vergessen, dass die Bibel einen Unterschied zwischen den Göttern (oder anderen übernatürlichen Wesen) und Götzen macht. Götter waren reell, Götzen hingegen waren nur von Menschen gemachte Repräsentationen von Gewalten („Sie haben einen Mund und reden nicht, sie haben Augen und sehen nicht“ Ps 115,5 u.v.a). Menschen konnten Götzen zerstören, aber kein Mensch konnte Götter zerstören. Und während Propheten sich über Götzen lustig machen konnten („Als es nun Mittag war, spottete Elia über sie und sprach: Ruft laut! Denn er ist ja ein Gott; vielleicht denkt er nach oder er ist beiseite gegangen oder ist auf Reisen, oder er schläft vielleicht und wird aufwachen“ 1Kö 18,27), war mit Göttern nicht zu spassen (“Denn unser Kampf ist richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Welt Beherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen“ Eph 6,12).
Eine interessante Leseart finden wir in 5. Mose 32,8. Dort steht, dass Gott „die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israels“ setzte. Hebräische Textvarianten aus den Qumran-Höhlen sowie die LXX sprechen hier von „der Zahl der Söhne Gottes“, resp. von „der Zahl der Söhne der Götter“, resp. von „der Zahl der Engel Gottes“, also von übernatürlichen Wesen[4]. Erich Scheurer ist deshalb überzeugt, dass Mose hier Götter ins Auge fasst.[5] In 1. Mose 10 werden die 70 Völker genannt, die von Noah abstammen. Dieser Leseart entsprechend hat es damals also 70 Hauptgötter gegeben, je eine pro Nation. Wir finden ähnliches Gedankengut an hebräischen Stellen des unseren Bibelübersetzungen zugrunde liegenden masoretischen Textes, etwa in 5. Mose 29,25: Dort wird uns der Gott der Juden als höchster aller Götter vorgestellt, der Israel keine anderen Götter zugeteilt hat („Götter, die sie nicht kannten und die er ihnen nicht zugeteilt hatte.“).
Eine interessante Leseart finden wir in 5. Mose 32,8. Dort steht, dass Gott „die Grenzen der Völker fest nach der Zahl der Kinder Israels“ setzte. Hebräische Textvarianten aus den Qumran-Höhlen sowie die LXX sprechen hier von „der Zahl der Söhne Gottes“, resp. von „der Zahl der Söhne der Götter“, resp. von „der Zahl der Engel Gottes“, also von übernatürlichen Wesen[4]. Erich Scheurer ist deshalb überzeugt, dass Mose hier Götter ins Auge fasst.[5] In 1. Mose 10 werden die 70 Völker genannt, die von Noah abstammen. Dieser Leseart entsprechend hat es damals also 70 Hauptgötter gegeben, je eine pro Nation. Wir finden ähnliches Gedankengut an hebräischen Stellen des unseren Bibelübersetzungen zugrunde liegenden masoretischen Textes, etwa in 5. Mose 29,25: Dort wird uns der Gott der Juden als höchster aller Götter vorgestellt, der Israel keine anderen Götter zugeteilt hat („Götter, die sie nicht kannten und die er ihnen nicht zugeteilt hatte.“).
Der Gott der Bibel selbst ist es also, der den Nationen ihre Götter zugeteilt hat!
So viel wusste der Richter Jephtah auch. Deshalb riet er dem König der Ammoniter sich mit dem zu begnügen, was sein Gott Kemosch ihm zugeteilt hatte („Solltest du nicht besitzen, was Kemosch, dein Gott, dir zum Besitz gegeben hat?“ [6]). Denn auch Israel hatte nur diejenigen Landteile eingenommen, die der Gott der Juden für sie vorbestimmt hatte (Ri 11,24). Der kriegslustige König der Ammoniter wollte von den diplomatischen Verhandlungen mit Jephtah aber nichts wissen, und so kam es zum Krieg, der zugunsten der Hebräer ausfiel. Auch im Buch des Propheten Daniel kommt ähnliches Gedankengut ans Licht. Als er am Tigris eine Erscheinung erhält und ein Engelwesen ihm Einblick in die unsichtbare Welt gibt, ist vom Fürsten des Königreichs Persien sowie vom Fürsten des Königreichs Griechenland die Rede, die nur von dem mit Daniel sprechenden Engel – handelt es sich etwa um Gabriel? – und dem Engel Michael bekämpft werden können (Dn 10,4-21). Den verschiedenen Völkern stehen also verschiedene göttliche Fürsten vor, so dass es sich bei den Kriegen auf Erden lediglich um die sichtbare Seite einer unsichtbaren Realität handelt.
Gott hatte die Hebräer mit viel Aufwand und Zuwendung, mit Wundern und großen Zeichen aus der Sklaverei in Ägypten erworben. Das Verhältnis zwischen Gott und Israel war also mit einem Suzerän-Vasallen Verhältnis vergleichbar, Gott hatte die Oberhoheit oder Souveränität, Israel war ihm unterstellt. Im Altertum hatten die Hethiter eine standardisierte und weit verbreitete Vertragsform als Norm zwischen den Königen und dem entsprechenden Subjekt geschaffen. Heute ist dieses Vertrags-Muster bekannt als „Suzerän-Vasallen“ Abkommen. Dieses bestand aus sechs Teilen[7]:
2. Mose 20-24, wo uns die Zehn Gebote gegeben sind, ist genau nach diesem Muster aufgegliedert. Es sind diese:
Gott hatte die Hebräer mit viel Aufwand und Zuwendung, mit Wundern und großen Zeichen aus der Sklaverei in Ägypten erworben. Das Verhältnis zwischen Gott und Israel war also mit einem Suzerän-Vasallen Verhältnis vergleichbar, Gott hatte die Oberhoheit oder Souveränität, Israel war ihm unterstellt. Im Altertum hatten die Hethiter eine standardisierte und weit verbreitete Vertragsform als Norm zwischen den Königen und dem entsprechenden Subjekt geschaffen. Heute ist dieses Vertrags-Muster bekannt als „Suzerän-Vasallen“ Abkommen. Dieses bestand aus sechs Teilen[7]:
- Präambel
- Historischer Prolog
- Bestimmungen
- Flüche und Segen
- Zeugen
- Klausel
2. Mose 20-24, wo uns die Zehn Gebote gegeben sind, ist genau nach diesem Muster aufgegliedert. Es sind diese:
- Präambel: Gottes Identität und Souveränität (2. Mose 20,1-2a)
- Historischer Prolog: Befreiung von der Sklaverei (2. Mose 20,2b)
- Bestimmungen: Die 10 Gebote und Ausführungen (2. Mose 20,3-23,19)
- Flüche und Segen: Schutz und Strafe durch den Engel des Herrn (2. Mose 23,20-33)
- Zeugen: Mose, Aaron und seine Söhne sowie die Ältesten (2. Mose 24,1-3 und 9-18)
- Klausel: Vertragsabschluss durch Tieropfer[8] (2. Mose 24,4-8)
Die Beziehung zwischen Israel und Gott wird auch mehrmals mit einer Ehe verglichen, die eine Frau zu ihrem Mann haben soll. Religiöses „Fremdgehen“ wird deshalb immer wieder mit „Hurerei“ verglichen („und sie trieb Ehebruch mit Stein und Holz“ Jer 3,9).
Das Gebot, keinen anderen Göttern zu dienen, stammt aus der Zeit Moses, nachdem Jahwe mit aufwendigen Mitteln bewiesen hatte, dass er wirklich Gott war. Diese Untersagung, anderen Göttern zu dienen galt also nur Israel.
Das Gebot, keinen anderen Göttern zu dienen, stammt aus der Zeit Moses, nachdem Jahwe mit aufwendigen Mitteln bewiesen hatte, dass er wirklich Gott war. Diese Untersagung, anderen Göttern zu dienen galt also nur Israel.
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Für andere Völker galt dieses Gebot nicht, denn die anderen Nationen standen in ähnlichen „Suzerän-Vasallen“ Verhältnissen zu ihren eigenen Göttern wie Israel zu seinem Gott.
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Der Erzvater Jakob konnte allerdings noch nicht soviel behaupten. Als er von seinem zornigen Bruder um sein Leben fliehen musste und Gott ihm in Bethel erschien, machte er ein Versprechen (1Mo 28,20-21):
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„Wenn Gott mit mir sein und mich behüten wird auf dem Weg, den ich gehe, und mir Brot zu essen geben wird und Kleider anzuziehen, und mich wieder mit Frieden heim zu meinem Vater bringt, so soll der Herr mein Gott sein.“
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Jakob hat sich nicht durch das zweiminütige Lesen eines Traktates „bekehrt“, er ist nicht nach einer 45-minütigen Evangelisation zur Kanzel gegangen, um Busse zu tun. Gott musste für ihn zuerst erlebte Realität werden. Viele Jahre später, als aus Jakob eine bedeutende Sippe mit 4 Frauen, 11 Kindern, Dienern und großen Herden geworden war, sprach er (1Mo 32,10-11):
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„Du Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, Herr, der du zu mir gesagt hast: Kehre wieder in dein Land und zu deiner Verwandtschaft zurück; ich will dir wohltun! Ich bin zu gering für alle Gnade und Treue, die du an deinem Knecht bewiesen hast! Denn ich hatte nur einen Stab, als ich über diesen Jordan ging, und nun bin ich zu zwei Heerlagern geworden.“
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Christliche Theologen schreiben Rahels verfrühten Tod oft der Tatsache zu, dass sie die Hausgötzen ihres Vaters gestohlen hatte (1Mo 31,34) – eine christliche Schlussfolgerung, die kirchliches Denken zurück in das erste Buch der Bibel hineininterpretiert. Das Interesse von Jakobs Ehefrau an den Hausgötzen ihrer Familie war Ausdruck ihrer Gottesfurcht – nicht ihrer Gottlosigkeit. Die einzig unethische Handlung Rahels war ihre Entwendung, die ihr Mann Jakob – in Unwissenheit um den Diebstahl – mit einem Fluch belegte („Was aber deine Götter betrifft – derjenige, bei dem du sie findest, soll nicht am Leben bleiben“ 1Mo 31,32). Jakobs Entscheid, sich von anderen Göttern zu trennen, traf er erst später (1Mo 35,2). Schon Abraham hatte Angst gehabt, der König Abimelech könnte keine Gottesfurcht haben. Die möglicherweise fehlende Gottesfurcht schrieb er aber nicht anderen Göttern zu, sondern ihrem unethischen Handeln, das er an der (Un-) Menschlichkeit maß („Weil ich dachte: Es ist gar keine Gottesfurcht an diesem Ort, darum werden sie mich wegen meiner Frau umbringen!“ 1Mo 20,11). Und Als Gott Abraham versprach, aus ihm ein großes Volk zu machen, ließ er ihn gleichzeitig wissen, dass seine Nachkommen zuerst 400 Jahre lang Fremde sein werden, bevor sie von Ägypten zurück nach Kanaan kommen werden. Erst dann also würden die Hebräer das verheißene Land in Besitz nehmen. Gott gab auch den Grund für diese Verzögerung an (1Mo 15,16):
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„Sie aber sollen in der vierten Generation wieder hierherkommen; denn das Maß der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll.“
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Nicht die Götter der Amoriter waren also das Problem, ihre moralische Verdorbenheit war es.
Als über 1‘000 Jahre später der aramäische Heerführer Naeman durch den Propheten Elisa im Jordan vom Aussatz geheilt wurde, entschloss der General, zukünftig nur noch dem Gott der Juden dienen zu wollen. Als Diener des Königs war er in seiner Position aber verpflichtet, mit seinem Herrn in den Tempel des Gottes Rimmon zu gehen, um ihn bei den Opfern zu begleiten. Als er dafür bei Elisa um Erlaubnis bat, antwortete der Prophet: „Geh hin in Frieden!“ (2Kö 5,19) – eine andere alttestamentliche Stelle, die bei christlichen Theologen auf Unverständnis und Kritik stößt. Als evangelikaler Christ hätte ich es in meiner Vergangenheit nie gewagt, eine Mosche oder einen hinduistischen Tempel zu betreten.
Bei dem sieben Tage dauernden Laubhüttenfest wurden nach mosaischer Vorschrift jeweils 70 Stiere geopfert (4Mo 29,12-34). Die Rabbiner brachten diese Zahl mit den 70 Namen in der Völkertafel in 1. Mose 10 in Verbindung. „Die Lehrer Israels erklärten nun, dass die Opfer der 70 Stiere jeweils zu Gunsten der Völker der Welt dargebracht wurden“ kommentiert Roger Liebi dazu[9]. Universalismus kommt in den kanonischen Schriften an verschiedensten Stellen zum Ausdruck. Schon Abraham wurde von Gott zugesagt „in deinem Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorsam warst!“ (1Mo 22,18). Der Prophet Jesaja führte diesen Gedanken weiter aus (Jes 2,2-4):
Als über 1‘000 Jahre später der aramäische Heerführer Naeman durch den Propheten Elisa im Jordan vom Aussatz geheilt wurde, entschloss der General, zukünftig nur noch dem Gott der Juden dienen zu wollen. Als Diener des Königs war er in seiner Position aber verpflichtet, mit seinem Herrn in den Tempel des Gottes Rimmon zu gehen, um ihn bei den Opfern zu begleiten. Als er dafür bei Elisa um Erlaubnis bat, antwortete der Prophet: „Geh hin in Frieden!“ (2Kö 5,19) – eine andere alttestamentliche Stelle, die bei christlichen Theologen auf Unverständnis und Kritik stößt. Als evangelikaler Christ hätte ich es in meiner Vergangenheit nie gewagt, eine Mosche oder einen hinduistischen Tempel zu betreten.
Bei dem sieben Tage dauernden Laubhüttenfest wurden nach mosaischer Vorschrift jeweils 70 Stiere geopfert (4Mo 29,12-34). Die Rabbiner brachten diese Zahl mit den 70 Namen in der Völkertafel in 1. Mose 10 in Verbindung. „Die Lehrer Israels erklärten nun, dass die Opfer der 70 Stiere jeweils zu Gunsten der Völker der Welt dargebracht wurden“ kommentiert Roger Liebi dazu[9]. Universalismus kommt in den kanonischen Schriften an verschiedensten Stellen zum Ausdruck. Schon Abraham wurde von Gott zugesagt „in deinem Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorsam warst!“ (1Mo 22,18). Der Prophet Jesaja führte diesen Gedanken weiter aus (Jes 2,2-4):
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„Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des Herrn festgegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: „Kommt, lass uns hinaufziehen zum Berg des Herrn, zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns belehre über seine Wege und wir auf seinen Pfaden wandeln!“ Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem. Und er wird Recht sprechen zwischen den Heiden und viele Völker zurechtweisen, so dass sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden werden und ihre Speere zu Rebmessern; kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr erlernen.“
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Wir werden unsere Aufmerksamkeit der fundamentalen Rolle dieses Gedankenguts in der ersten Christusbewegung später ausführlicher widmen, wenn wir uns damit befassen werden, warum die „Zuwendung“ der Nationen zum jüdischen Gott nicht eine „Bekehrung“ der Völker in dem Sinn bedeuten kann, den dieser Begriff in unserer Zeit zum Ausdruck bringt. Bevor wir uns aber der universalistischen Ideologie der ersten Christen zuwenden, ist es nötig, den neutestamentlichen Kontext aus verschiedenen anderen Perspektiven zu beleuchten. Dazu müssen wir vorerst aber noch etwas im Alten Testament verweilen:
Einer der am meist gepredigten Propheten ist Jona. Erstaunlicherweise gehört er gleichzeitig zu einem der am meist kritisierten Gottesmänner der Bibel überhaupt. Dieses aus nur 4 Kapiteln bestehende, kurze Buch, zählt anscheinend zu den einfachsten Prophetenbücher der Bibel. Schon in der Sonntagschule lernen die Kinder ihn kennen. Jona ist einer der wenigen Propheten aus Israels Nordreich mit der Hauptstadt Samaria. Gott hatte ihn beauftragt, die Bewohner der Stadt Ninive – eine mesopotamische Metropole im heutigen Irak – zur Busse zu führen. Ninive war die Hauptstadt des damaligen Weltreiches, der Assyrer. Als er diesen Auftrag erhielt, zögerte er nicht, ging nach Japho an den Hafen, und fuhr mit einem Handelsschiff nach Tarsis, einem Hafen auf der iberischen Halbinsel (des heutigen Spaniens), das für die damaligen Zeit am anderen Ende der Erde, in der Ninive diametral gegenüberliegenden Himmelsrichtung lag. Der Prophet erhoffte sich damit vor Gottes Auftrag fliehen zu können, da er nach seiner eigenen Aussage Gott fürchtete (Jon 1,9) und deshalb nicht zuhause in Israel blieb. Ein großer Sturm – ein eindeutiges Zeichen, dass die Götter erzürnt waren – machten ihm aber einen Strich durch die Rechnung. Als das Los auf Jona fiel, musste der vor Gott fliehende den Matrosen seinen Ungehorsam erklären und sie bitten, ihn lebendig über Bord zu werfen, eine verzweifelte Geste, der die Besatzung schlussendlich trotzdem nicht entgehen konnte. Ein großer Fisch verschluckte ihn aber lebendig und bewahrte ihn so vor dem Ertrinken. Drei Tage später wurde der Prophet von ihm ans Land gespuckt. Entgegen seinem Willen musste Jona also schlussendlich doch die Niniviten vor Gottes Zorngericht warnen, dass die Stadt 40 Tage später zerstör sein würde. Und was der Prophet am meisten fürchtete, geschah: Die Niniviten taten Reue und genauso machte es auch Gott: "Und Gott sah ihre Taten, dass sie von ihrem bösen Weg umkehrten. Und Gott ließ sich das Unheil gereuen, das er ihnen zu tun angesagt hatte, und er tat es nicht" (Jon 3,10 zitiert nach Elberfelder). Jona ist einer der seltsamsten Propheten. Er sagt die Zerstörung einer unzerstörbaren Stadt voraus, und – was für ein Wunder! – sie wird nicht zerstört!
Jona 4,1-2:
Einer der am meist gepredigten Propheten ist Jona. Erstaunlicherweise gehört er gleichzeitig zu einem der am meist kritisierten Gottesmänner der Bibel überhaupt. Dieses aus nur 4 Kapiteln bestehende, kurze Buch, zählt anscheinend zu den einfachsten Prophetenbücher der Bibel. Schon in der Sonntagschule lernen die Kinder ihn kennen. Jona ist einer der wenigen Propheten aus Israels Nordreich mit der Hauptstadt Samaria. Gott hatte ihn beauftragt, die Bewohner der Stadt Ninive – eine mesopotamische Metropole im heutigen Irak – zur Busse zu führen. Ninive war die Hauptstadt des damaligen Weltreiches, der Assyrer. Als er diesen Auftrag erhielt, zögerte er nicht, ging nach Japho an den Hafen, und fuhr mit einem Handelsschiff nach Tarsis, einem Hafen auf der iberischen Halbinsel (des heutigen Spaniens), das für die damaligen Zeit am anderen Ende der Erde, in der Ninive diametral gegenüberliegenden Himmelsrichtung lag. Der Prophet erhoffte sich damit vor Gottes Auftrag fliehen zu können, da er nach seiner eigenen Aussage Gott fürchtete (Jon 1,9) und deshalb nicht zuhause in Israel blieb. Ein großer Sturm – ein eindeutiges Zeichen, dass die Götter erzürnt waren – machten ihm aber einen Strich durch die Rechnung. Als das Los auf Jona fiel, musste der vor Gott fliehende den Matrosen seinen Ungehorsam erklären und sie bitten, ihn lebendig über Bord zu werfen, eine verzweifelte Geste, der die Besatzung schlussendlich trotzdem nicht entgehen konnte. Ein großer Fisch verschluckte ihn aber lebendig und bewahrte ihn so vor dem Ertrinken. Drei Tage später wurde der Prophet von ihm ans Land gespuckt. Entgegen seinem Willen musste Jona also schlussendlich doch die Niniviten vor Gottes Zorngericht warnen, dass die Stadt 40 Tage später zerstör sein würde. Und was der Prophet am meisten fürchtete, geschah: Die Niniviten taten Reue und genauso machte es auch Gott: "Und Gott sah ihre Taten, dass sie von ihrem bösen Weg umkehrten. Und Gott ließ sich das Unheil gereuen, das er ihnen zu tun angesagt hatte, und er tat es nicht" (Jon 3,10 zitiert nach Elberfelder). Jona ist einer der seltsamsten Propheten. Er sagt die Zerstörung einer unzerstörbaren Stadt voraus, und – was für ein Wunder! – sie wird nicht zerstört!
Jona 4,1-2:
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„Das aber missfiel Jona sehr, und er wurde zornig. Und Jona betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, ist’s nicht das, was ich mir sagte, als ich noch in meinem Land war, dem ich auch durch die Flucht nach Tarsis zuvorkommen wollte? Denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig und von großer Gnade, und das Unheil reut dich!“
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Der ernste Aufruf spätesten am Ende der Predigt, im Gegensatz zu Jona von Gott nicht wegzulaufen, fehlt in keiner kirchlichen Litanei. Der Haltung des Propheten, Gottes Gericht über Ninive auf keinen Fall abwenden zu wollen, wird mit Unverständnis begegnet. Die ganze Brisanz dieses Buches geht deshalb verloren, weil der Prophet selbst nur eine wage Anspielung auf den Kontext macht, in den man die Geschichte stellen muss. Eine ausdrückliche Erklärung der vorangegangenen Ereignisse war zur Zeit der Abfassung dieser Schrift wohl auch nicht nötig, weil jeder damals wusste, in welcher politisch hochexplosiven Zeit dies geschah. Eine assyrische Invasion in Israel kann man auf das Jahr 805 v. Chr. datieren, als Jona wahrscheinlich noch ein Kind war. Adad-Nirari III hinterließ eine Beschreibung seiner Expedition nach Israel im fünften Jahr seiner Herrschaft, als er nach der Tell-al-Rimah-Stele Joas von Samaria seiner Herrschaft unterwarf[10]. Laut biblischen Berichten sah Gott „das so bittere Elend Israels“ (2Kö 14,26) und auf Jonas Prophetie hin eroberte der darauffolgende israelitische König Jerobeam II „das Gebiet Israels zurück“.
Was daran so bitter war steht nicht in der Bibel, aber man findet es in Geschichtsbüchern. Die Grausamkeit der Assyrer war bekannt und wütete während mehreren Jahrhunderten. H. R. Hall liefert uns eine detaillierte Beschreibung der Kriegsprozedur des assyrischen Königs Assur-Nasirpal II (883-859) in seinem Buch The Ancient History Of The Near East[11]:
Was daran so bitter war steht nicht in der Bibel, aber man findet es in Geschichtsbüchern. Die Grausamkeit der Assyrer war bekannt und wütete während mehreren Jahrhunderten. H. R. Hall liefert uns eine detaillierte Beschreibung der Kriegsprozedur des assyrischen Königs Assur-Nasirpal II (883-859) in seinem Buch The Ancient History Of The Near East[11]:
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„Sein übliches Verfahren nach der Eroberung einer feindlichen Stadt war es, sie zu verbrennen und dann alle erwachsenen Männer zu verstümmeln, indem er ihnen Hände und Ohren abschnitt und ihnen die Augen ausstach; danach wurden sie in einem großen Haufen gestapelt, um unter Folter vor Fliegen, Wunden und Erstickung zu sterben; die Kinder, sowohl Knaben als auch Mädchen, wurden alle lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt; und der Anführer wurde nach Assyrien verschleppt, um zum Hochgenuss des Königs lebendig enthäutet zu werden. Ashur-Nasir-Pal und seinem Sohn Shalmaneser II verdankte man die militärische Organisation des assyrischen Staates, die bald zu Westasiens Unterwerfung führte.“
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Es ist möglich, dass Jona als Kind die sprichwörtliche Grausamkeit mit eigenen Augen betrachten musste, als vielleicht sogar Freunde oder Familienangehörige in die Kriege hineingezogen wurden. Das würde auch erklären, warum er ab seinem eigenen Erfolg bei den Niniviten – die Stadt tat Busse und wurde nicht zerstört – so unglücklich war. Als ich den Kontext dieses Propheten zu verstehen begann, wurde mir Jona zum ersten Mal in meinem Leben so richtig sympathisch.
Der Grund aber, warum ich hier überhaupt von Jona spreche, ist folgender: Als Gott Jona beauftragte, sich persönlich nach Ninive – die Hauptstadt der Assyrer – zu begeben, gab er auch den Grund an: „denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen!“ (Jon 1,2). Dass hier mit keinem Wort von Gottes „Konkurrenz“ die Rede ist, wird leicht übersehen. Nicht die assyrischen Götter waren das Problem, die Grausamkeit der damaligen Weltmacht war es. Dabei sind wir beim springenden Punkt angelangt:
Der Grund aber, warum ich hier überhaupt von Jona spreche, ist folgender: Als Gott Jona beauftragte, sich persönlich nach Ninive – die Hauptstadt der Assyrer – zu begeben, gab er auch den Grund an: „denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen!“ (Jon 1,2). Dass hier mit keinem Wort von Gottes „Konkurrenz“ die Rede ist, wird leicht übersehen. Nicht die assyrischen Götter waren das Problem, die Grausamkeit der damaligen Weltmacht war es. Dabei sind wir beim springenden Punkt angelangt:
Das biblische Problem der anderen Götter ist ihre Unmenschlichkeit!
Nicht Religion ist im Brennpunkt, Ethik ist es.
Nicht Religion ist im Brennpunkt, Ethik ist es.
Der Gedanke also, dass im Alten Testament alle Menschen aller Nationen mit Ausnahme der Israeliten auf direktem Weg zur Hölle fuhren, weil sie nicht dem Gott der Juden dienten, ist absurd. Henoch, Noah und Hiob beispielsweise waren ja selbst keine Juden. Als die verwitwete Naemi von Moab nach Bethlehem zurückkehrte, forderte sie ihre beiden moabitischen Schwiegertöchter, Rut und Orpa, eindringlich auf, zurückzukehren (Rut 1,8): „Geht hin, kehrt um, jede zum Haus ihrer Mutter!“ Und sie wünschte ihnen Gottes Segen:
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„Der Herr erweise euch Güte, wie ihr es an den Verstorbenen und an mir getan habt!“
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Gott sollte also moabitischen Frauen – d.h. Ausländerinnen, die andere Götter hatten und Götzen Opfer darbrachten – Güte erweisen. Hätte Naemi geglaubt, dass Moabiter in die Hölle fahren, weil sie „eine andere Religion“ hatten, dann hätte sie ihre Schwiegertöchter eindringlich auffordern müssen, sie nach Israel zu begleiten.
„Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihren Göttern; kehre du auch um, deiner Schwägerin nach!“ (Ruth 1,15) beharrte Noemi auf ihrer Aufforderung an Ruth. Naemi war eben überzeugt, dass anständige Moabiter ebenso wenig zur Hölle fahren wir ehrliche Juden. Deshalb hat sie beide (ebenfalls verwitwete) Schwiegertöchter gesegnet, obwohl nur eine davon sich schlussendlich zum Judentum bekehrte: „Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott“ erklärte Rut (Vers 16). Ich beharre darauf: Nicht Religion war das Problem, die damit oft verbundene, unmenschliche Ethik war es. Die folgende Bibelstelle illustriert das: Als die Hebräer vor dem Einzug ins verheißene Land standen, wurden sie von Mose ermahnt (5Mo 12,29-31):
„Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihren Göttern; kehre du auch um, deiner Schwägerin nach!“ (Ruth 1,15) beharrte Noemi auf ihrer Aufforderung an Ruth. Naemi war eben überzeugt, dass anständige Moabiter ebenso wenig zur Hölle fahren wir ehrliche Juden. Deshalb hat sie beide (ebenfalls verwitwete) Schwiegertöchter gesegnet, obwohl nur eine davon sich schlussendlich zum Judentum bekehrte: „Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott“ erklärte Rut (Vers 16). Ich beharre darauf: Nicht Religion war das Problem, die damit oft verbundene, unmenschliche Ethik war es. Die folgende Bibelstelle illustriert das: Als die Hebräer vor dem Einzug ins verheißene Land standen, wurden sie von Mose ermahnt (5Mo 12,29-31):
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„Wenn der HERR, dein Gott, die Heidenvölker vor dir her ausrottet, da, wo du hinkommst, um sie aus ihrem Besitz zu vertreiben, und wenn du sie aus ihrem Besitz vertrieben hast und in ihrem Land wohnst, so hüte dich, dass du dich nicht verführen lässt, sie nachzuahmen, nachdem sie doch vor dir her vertilgt worden sind, und dass du nicht nach ihren Göttern fragst und sagst: Wie dienten diese Heiden ihren Göttern? Ich will es ebenso tun! Du sollst dem Herrn, deinem Gott nicht auf diese Weise dienen, denn alles, was ein Greuel ist für den Herrn, was er hasst, haben sie für ihre Götter getan; ja sogar ihre Söhne und ihre Töchter haben sie für ihre Götter im Feuer verbrannt!“
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Am deutlichsten aber werden die anderen Götter im Psalm 82 angeklagt
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„Gott steht in der Gottesversammlung, inmitten der Mächtigen richtet er: »Wie lange wollt ihr ungerecht richten und die Person des Gottlosen ansehen? (Sela.) Schafft Recht dem Geringen und der Waise, den Elenden und Armen laßt Gerechtigkeit widerfahren! Befreit den Geringen und Bedürftigen, errettet ihn aus der Hand der Gottlosen! Aber sie erkennen nichts und verstehen nichts, sondern wandeln in der Finsternis; es wanken alle Grundfesten der Erde! Ich habe gesagt: Ihr seid Götter und allesamt Söhne des Höchsten; dennoch sollt ihr sterben wie ein Mensch und fallen wie einer der Fürsten! Mache dich auf, o Gott, richte die Erde; denn du bist Erbherr über alle Völker!“
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Was Schlachter hier mit „inmitten der Mächtigen“ übersetzt, heißt wörtlich „inmitten der Götter“ (Elohim). Im ersten Vers ist also dreimal von Gott und den Göttern die Rede[12]. Eben deshalb, weil die Götter unmoralisch sind und die Armen nicht aus der Hand der Gottlosen erretten, wanken die Grundfesten der Erde. Schlachter sagt es hier mit deutschen Worten selbst: Weil Götter diejenigen nicht richten, die gottlos sind, wird er sie wie Gottlose sterben lassen. Damit ist der Kreis geschlossen: Menschen anderer Religionen sind nicht dann gottlos, wenn sie fremden Göttern dienen, sie sind dann gottlos, wenn sie nicht Recht sprechen. Unmenschlichkeit ist also Ausdruck von Gottlosigkeit und Gottlosigkeit ist Ausdruck von Unmenschlichkeit.
Nachdem wir uns nun die biblische Götterwelt im Allgemeinen und den Gott Israels im Besonderen angeschaut haben, müssen wir uns nun zu den Göttern der Nationen wenden, die den Kontext des Neuen Testaments bildeten.
Nachdem wir uns nun die biblische Götterwelt im Allgemeinen und den Gott Israels im Besonderen angeschaut haben, müssen wir uns nun zu den Göttern der Nationen wenden, die den Kontext des Neuen Testaments bildeten.
Fussnoten:
[1] Die LXX ist beim Übersetzen von „Elohim“ (אלהים) dabei etwas freier als unsere modernen Bibeln. So übersetzt die Septuaginta Richter 16,24, wo von den Göttern der Philister die Rede ist (oder sollte ich jetzt „vom Gott der Philister“ sprechen?), Elohim das erste Mal mit der Mehrzahl (theoi – Götter), das zweite Mal aber mit der Einzahl (theos – Gott). Auf Hebräisch steht wie üblich die Mehrzahl (Elohim).
[2] δαιμόνιον
[3] (Fredriksen, Augustine and the Jews: A Christian Defense of Jews and Judaism, 2010, S. 54)
[4] Wir finden beide Versionen: „Nach der Zahl der Söhne Gottes“ (בני אל) und „nach der Zahl der Söhne der Götter“ (בני אלהים und ebenfalls בני אלים). Die LXX liest auch „nach der Zahl der Engel Gottes“ (κατὰ ἀριθμὸν ἀγγέλων Θεοῦ).
[5] (Scheurer, 1999, S. 375)
[6] Übersetzt aus dem Hebräischen (Ri 11,24): הֲלֹא אֵת אֲשֶׁר יוֹרִישְׁךָ, כְּמוֹשׁ אֱלֹהֶיךָ--אוֹתוֹ תִירָשׁ
[7] (Darryl, kein Datum) Marketing- und Vertriebsberatung International. Biblisches Basiswissen. Informationsquelle: http://marketing-und-vertrieb-international.com/jesus/geschichte-des-wortes.htm
[konsultiert am 30. August 2019]
[8] Wie bereits früher erklärt, wurden damals Verträge durch den Tod von Tieren besiegelt. Das Tieropfer symbolisierte zum einen die Unwiderrufbarkeit (ein totes Tier wird nicht wieder lebendig) und deutete gleichzeitig auf die Bestrafung hin, die im Fall einer Vertragsverletzung auf die übertretende Partei fallen sollte.
[9] (Liebi, 2003, S. 417)
[10] (Arnold, Jonas, bras de fer avec un Dieu de grâce, 2004, pp. 79-80)
[11] (Hall, 1913 & 2018, S. 322)
[12] אֱלֹהִים, נִצָּב בַּעֲדַת-אֵל; בְּקֶרֶב אֱלֹהִים יִשְׁפֹּט
[2] δαιμόνιον
[3] (Fredriksen, Augustine and the Jews: A Christian Defense of Jews and Judaism, 2010, S. 54)
[4] Wir finden beide Versionen: „Nach der Zahl der Söhne Gottes“ (בני אל) und „nach der Zahl der Söhne der Götter“ (בני אלהים und ebenfalls בני אלים). Die LXX liest auch „nach der Zahl der Engel Gottes“ (κατὰ ἀριθμὸν ἀγγέλων Θεοῦ).
[5] (Scheurer, 1999, S. 375)
[6] Übersetzt aus dem Hebräischen (Ri 11,24): הֲלֹא אֵת אֲשֶׁר יוֹרִישְׁךָ, כְּמוֹשׁ אֱלֹהֶיךָ--אוֹתוֹ תִירָשׁ
[7] (Darryl, kein Datum) Marketing- und Vertriebsberatung International. Biblisches Basiswissen. Informationsquelle: http://marketing-und-vertrieb-international.com/jesus/geschichte-des-wortes.htm
[konsultiert am 30. August 2019]
[8] Wie bereits früher erklärt, wurden damals Verträge durch den Tod von Tieren besiegelt. Das Tieropfer symbolisierte zum einen die Unwiderrufbarkeit (ein totes Tier wird nicht wieder lebendig) und deutete gleichzeitig auf die Bestrafung hin, die im Fall einer Vertragsverletzung auf die übertretende Partei fallen sollte.
[9] (Liebi, 2003, S. 417)
[10] (Arnold, Jonas, bras de fer avec un Dieu de grâce, 2004, pp. 79-80)
[11] (Hall, 1913 & 2018, S. 322)
[12] אֱלֹהִים, נִצָּב בַּעֲדַת-אֵל; בְּקֶרֶב אֱלֹהִים יִשְׁפֹּט