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Mani, gefallene Engel und der Mensch

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Die Schöpfung nach Mani

Nachdem er den dritten Krieg gegen Jesus den Prächtigen verloren hatte, ließ der Prinz des Vergnügens zwei Dämonen, Saclas und seine Gefährtin Nebroel, frei. Was war ihre Mission? Ficken! Um das Licht in den geborenen Babys zu verschlingen, verschlang der Prinz des Vergnügens sie. Dieser schäbige Schurke, auch Prinz der Sünde genannt, fickte Nebroel seinerseits. Nebroel wurde erneut schwanger und gebar die ersten beiden Menschen, Adam und Eva. 
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Diese Version der Schöpfungsgeschichte stammt nicht aus der Bibel, sondern vom Führer einer der bizarrsten Sekten, die das Christentum in seiner gesamten Geschichte je hervorgebracht hat: Mani (216-276)! Laut Mani gab es in der Geschichte nicht nur einen Jesus, sondern drei! Der historische Jesus des Neuen Testaments (nicht zu verwechseln mit Jesus dem Prächtigen) starb nicht am Kreuz, oder nur scheinbar. Die Schöpfung nach Mani ist in vielerlei Hinsicht die Antithese zur biblischen Schöpfung. Auf ihn geht die Vorstellung zurück, dass der Mensch verdorben geboren wird, d. h. ewig verloren ist. Leider griff St. Augustinus (354-430), der bedeutendste Kirchenvater der Geschichte, der in seiner Jugend selbst neun Jahre lang Manichäer war, bevor er zum Katholizismus konvertierte, diese Idee auf und interpretierte die biblische Schöpfungsgeschichte in dieser Weise. 
Für Personen, die mit der kirchlichen Anthropologie nicht vertraut sind, klicken Sie hier. Alle anderen lesen weiter:

Die Schöpfungsgeschichte nach der Bibel

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Laut der Bibel erschuf Gott am sechsten und letzten Tag der Schöpfung Adam und Eva nicht als Kopie Satans, sonder in seinem göttlichen Bild. Die Bibel versetzt das erste Paar nicht in eine Welt voller Dämonen und Teufel, sondern in einen paradiesischen Garten, den Garten Eden. „Da sah Gott alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1. Mose 1,31). 
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Nur wurde Eva später von der Schlange dazu verführt, von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen (ein Apfel, behauptete Mani). Eva gab davon auch ihrem Mann Adam. Die Folge war, dass der Mensch in Bezug auf die Erkenntnis von Gut und Böse wie Gott wurde (Gott selbst macht diese Feststellung). Das unterscheidet Tiere von Menschen. Eine Forelle weiß nicht, dass sie etwas Falsches tut, wenn sie ihren eigenen Nachwuchs verschlingt. Daher käme niemand auf die Idee, Forellen als „moralisch verkommen“ zu bezeichnen, weil sie andere Forellen fressen. Ein Mensch jedoch, der seine eigenen Kinder fressen würde, wäre etwas anderes.
Gott sprach: „Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns" (1. Mose 3,22)
Der Mensch ist nicht geworden wie der Teufel, er ist geworden wie Gott!
Im Gegensatz zum Menschen handeln Tiere instinktiv. Das Problem mit der Erkenntnis von Gut und Böse ist, dass sie Allwissenheit erfordert. Denn es ist unmöglich, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn unser Sichtfeld bzw. unser Wissen nur teilweise vorhanden ist. Im Gegensatz zu Gott ist der Mensch in diesem Bereich jedoch begrenzt geblieben. Aus diesem Grund vermuten wir hinter allem, was anders ist, das Böse: Menschen mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen sexuellen Orientierung, einer anderen Religion, einer anderen Kultur etc. Und umgekehrt neigt der Mensch dazu, denjenigen zu vertrauen, die ihm ähnlich sind. Wie kann man nun wissen, ob der Pastor seiner Kirche nicht ein Heuchler oder Betrüger ist? Natürlich lässt sich das anhand seines Aussehens nicht erraten. So verlässt sich der Mensch auf das, was für das Auge oder seine Sinne sichtbar ist. Er verschmutzt den Planeten, schert sich nicht um die Warnungen der Wissenschaftler, bis er eines Tages den Klimawandel bemerkt, bis er also mit seinen eigenen Sinnen erkennt, dass er eine Katastrophe ausgelöst hat.  Der Mensch lebt, um einen biblischen Begriff zu verwenden, nach dem Fleisch. Der Mensch ist also wie ein drei- oder vierjähriges Kind, dem man eine geladene Pistole gibt: Er weiß nicht, wie man sie benutzt, und ignoriert die Folgen seines Handelns, bis es zu spät ist. So interpretiere ich die symbolische Bedeutung des Wissens um Gut und Böse. Die Kehrseite der Medaille ist, dass der Mensch nicht mehr instinktiv nach seiner Intuition handelt, auf die feine Stimme seines Herzens hört, oder um einen biblischen Begriff zu verwenden; er lebt nicht mehr nach dem Geist. Genau deshalb hat der Apostel Paulus vom Fleisch eine so miese Meinung. ​ 
Diese Einschränkung, diese einseitige Sicht der Realität, nutzt der Mensch leicht, um Andersdenkende lächerlich zu machen. Ob in der Politik, in den sozialen Medien oder am Arbeitsplatz: Man nimmt einen Satz, den eine andere Person gesagt hat, ändert ein Bisschen den Kontext, verschiebt den Akzent oder rückt die Aussage in ein etwas anderes Licht, und schon kann man sich über die Dummheit des anderen lustig machen. So entstehen Clans, die "Wir" und die "Anderen". Wäre der Mensch hinsichtlich des Bösen so unwissend wie Tiere, würden wir instinktiv (d.h. geistlich) leben. Das "Wir" und die "Anderen" würden nicht existieren, und wir könnten Schwarze, Schwule, Muslime, Hindus etc. nicht der Dummheit, der Perversion, der Verkehrtheit oder des Irrtums verdächtigen. Das Wissen um Gut und Böse zu haben, ohne die Allwissenheit zu besitzen, kann uns nur in unser eigenes Unglück stürzen. 
Gott war sich der Katastrophe bewusst, die der Mensch sich gerade selbst zugefügt hatte, und vertrieb die Menschen aus dem Garten Eden: „Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gutes und Böses. Und nun, dass er nicht etwa sein Hand ausstrecke und auch (noch) von dem Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe!" (1. Mose 3,22). Der Zweck der Vertreibung aus dem Paradies war, dass der Mensch nicht vom Baum des Lebens esse (von dem er zuvor hätte essen dürfen), damit sein Zustand nicht ewig dauert. In der jüdischen Vorstellung war der Tod bereits vorhanden, denn sonst hätte es keinen Sinn gemacht, den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens zu pflanzen. Die Existenz des Todes war also nicht das Ergebnis des Ungehorsams, sondern das Ergebnis des Ausschlusses aus dem Paradies. Denn durch den Ausschluss konnte der Mensch nicht mehr zum Baum des Lebens gelangen. Ich möchte dies ausdrücklich unterstreichen: Als Gott der Schlange, Eva und Adam (in dieser Reihenfolge) Strafen auferlegte, wird der Tod nicht aufgelistet, er wird nur undeutlich angesprochen. Der Tod war lediglich eine indirekte Folge der Vertreibung aus dem Garten: 
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Der Ausschluss aus dem Paradis war keine Strafe, sondern ein Schutz. 
​Einmal der fatale Fehler begangen, wäre ewiges Leben auf dieser Erde eine Qual gewesen.
So wurde der Tod zu einer Erlösung, nicht zu einer Strafe! 
In Moses Text ist nirgends die Rede davon, dass der Mensch böse geworden sei. Der Mensch ist nicht gefallen, er ist unfähig, mit seiner göttlichen Gabe richtig umzugehen. 

Der Ursprung des Bösen laut der Bibel

Wenn der Sündenfall aber nur dazu geführt hat, dass der Mensch nicht mit einer göttlichen Gabe umgehen kann, woher kommt dann das Böse? Mose führte die Existenz des Bösen auf ein anderes Ereignis zurück, das einige Kapitel weiter beschrieben wird. In Genesis 6 (Verse 2-4) lesen wir, dass die Söhne Gottes (gefallene Engel) inkarnierten und menschliche Frauen heirateten, eine Verbindung, aus der die Riesen hervorgegangen sind. Unmittelbar danach (Vers 5) ist von menschlichem Verfall und der Sintflut als Strafe die Rede. Das erste Buch Henoch, ein Pseudepigraph, das spätestens im zweiten Jahrhundert v. Chr. (vielleicht aber auch schon früher) geschrieben wurde, beschreibt auf der Grundlage der kurzen Zusammenfassung der Genesis mit viel Fantasie das Übel, das die inkarnierten gefallenen Engel auf der Erde angerichtet hätten. Es wären zum Beispiel die Nachkommen dieser „Söhne Gottes“ gewesen, die als erste Kriege geführt hätten. Das Buch 1. Henoch fand schließlich weder in den jüdischen noch in den christlichen Kanon (mit Ausnahme der äthiopischen Kirche) Eingang. Es war jedoch zur Zeit Jesu bekannt und wurde von der frühen Kirche bis zur Zeit des Heiligen Augustinus als heiliges Buch akzeptiert und zitiert. Diese Schrift wurde schließlich verworfen, weil die Kirche die Vorstellung ablehnte, dass Engel sich inkarnieren könnten, auch wenn Engel in menschlicher Gestalt sowohl im Alten als auch im Neuen Testament vorkommen. Es musste also eine Erklärung für die Erzählung in Genesis 6 gefunden werden, die Augustinus schon alsbald ausarbeitete: Man musste diese himmlischen Wesen nur vermenschlichen! Die Söhne Gottes in Genesis wären einfach die gerechten Söhne Seths gewesen, die die Töchter des bösen Kain geheiratet hätten, schlussfolgerte Augustinus. 

Wie dem auch sei, das erste Buch Henoch ist bis heute in der Bibel der äthiopischen Kirche enthalten. Was uns hier interessiert, ist, dass das Neue Testament Ideen aus dem ersten Buch Henoch etwa hundert Mal aufgreift, insbesondere durch Jesus und die Apostel. Der Judasbrief (Verse 14 und 15) zitiert es und die Offenbarung verwendet eine Reihe von Bildern aus diesem Pseudepigraphen. Außerdem muss man bei seiner Lektüre unweigerlich an viele andere biblische Bücher denken, wie z. B. Daniel, Jesaja oder Ezechiel. Zu den heiligen Büchern des Neuen Testaments, die es in den ersten Jahrhunderten am schwersten hatten, von der Kirche kanonisiert zu werden, gehören unter anderem der Brief des Judas und die Offenbarung des Johannes. Einige glauben, dass es die Ähnlichkeiten mit dem ersten Buch Henoch waren, die beinahe dazu geführt hätten, dass die Apokalypse als kanonisch abgelehnt wurde. Der Grund, warum ich mich so ausführlich mit diesem Thema befasse, ist der folgende: Die Vorstellung, dass gefallene Engel inkarnieren könnten, ist heute gewiss nicht populär, weder unter Christen noch unter Juden. Zur Zeit Jesu war sie es jedoch! 
Es ist ein Anachronismus, die Schriften des Neuen Testaments aus der Perspektive „Der Mensch fahrt zur Hölle“ zu interpretieren. Jesu schwere Anschuldigungen gegen den heftigen Widerstand von bestens informierten Menschen („Ihr habt den Teufel zum Vater“ Johannes 8,44) wurden von der Kirche später so gelesen, dass sie an jeden Menschen gerichtet waren, der sich Christus widersetzte (sogar an diejenigen, die nur rudimentärste Kenntnisse über ihn hatten). Aus henoischer Sicht waren sie jedoch wahrscheinlich an gefallene Geister gerichtet, die inkarniert waren. 
Die Hitler von gestern und heute, eine Form der Verkörperung dämonischer Geister. 
Woher stammt also die Idee, dass der Mensch gefallen und für die Hölle bestimmt sei? Sie stammt von Mani, wurde von Augustinus und über diesen von der Kirche übernommen. Auch wenn Augustinus die Phantasiegeschichten des Mani später ablehnte und bekämpfte, behielt er die Idee bei, dass Adam und Eva gefallen und somit ewig verloren seien, da sie vom Paradies ausgeschlossen wurden. So sah Augustinus im Menschengeschlecht ein „Stück Verdammnis“. Paula Frederiksen, Professorin an der Hebräischen Universität in Jerusalem, fasst Augustins Gedanken in ihrem Buch Augustine and the Jews:

„Indem er von der universalen Notwendigkeit der Erlösung in Christus auf die Verdammung aller Menschen - sogar der Säuglinge - rückwärts schloss, wenn nicht die Taufe dazwischenkommt, kam Augustinus zu dem Schluss, dass der Grund für diese Verdammung nur von Adam, dem Ursprung der gesamten Rasse und somit der Quelle des Ursprünglichen, ausgehen konnte.“
Indem Augustinus ein kleines Problem vermeiden wollte (Engel können nicht inkarnieren), schuf er ein viel größeres (der Mensch wird als gefallener Mensch geboren, um in die Hölle zu kommen). Denn wenn das Böse auf der Erde nicht von inkarnierten gefallenen Engeln kommt, kann es zwangsläufig nur vom Menschen selbst kommen. Augustinus war davon überzeugt, dass der Mensch seit dem Sündenfall zwar noch eine Seele hatte, aber keinen Geist mehr besaß. Jeder Mensch war daher geistig tot. Augustinus lehrte sogar, dass Babys, die vor der Taufe sterben, für immer verloren sind, auch wenn die Eltern Christen sind! Während der Reformation im 16. Jahrhundert waren sowohl die Protestanten als auch die Katholiken Anhänger von Augustinus und führten seine Lehre fort, dass man ein guter Christ werden müsse (eine echte Beziehung zu Jesus für die Protestanten oder eine wahre Beziehung zur Kirche für die Katholiken), um der ewigen Strafe zu entgehen und in die ewigen Seligkeiten einzugehen.

Um ein wahrer Christ zu werden, musste der Mensch aber wieder den Geist erlangen, der laut Augustinus durch den Sündenfall verloren ging. 
Das ist kirchlicher Science Fiction. Als Gott die Bosheit auf der Erde sah (nachdem die Söhne Gottes menschliche Frauen geheiratet hatten, wird zum ersten Mal von der Verdorbenheit des Menschen gesprochen), bereute er, den Menschen erschaffen zu haben. Eine der beiden Konsequenzen war, dass Gott die Lebensdauer des Menschen auf 120 Jahre begrenzte. Die zweite war die Sintflut. Vor ihr erreichte der Mensch ein Alter von über 900 Jahren. Metuschelach soll sogar 969 Jahre gelebt haben. Hier ist Gottes Schlussfolgerung:​
וַיֹּ֣אמֶר יְהוָ֗ה לֹֽא־יָד֨וֹן רוּחִ֤י בָֽאָדָם֙ לְעֹלָ֔ם בְּשַׁגַּ֖ם ה֣וּא בָשָׂ֑ר וְהָי֣וּ יָמָ֔יו מֵאָ֥ה וְעֶשְׂרִ֖ים שָׁנָֽה

„Gott sprach: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, denn der Mensch ist auch Fleisch. Er soll 120 Jahre leben.”
Die Übersetzer unserer Bibeln ändern den hebräischen Text. Die Übersetzer sind der Meinung, dass das Tunwort yadîn statt yadôn lauten sollte. Sie ersetzen den Buchstaben waw (ו) durch ein yota (י) und erhalten so das Verb „richten” (דין) anstelle des Verbs „bleiben” (דון)*. Die Schlachter Bibel übersetzt den Text beispielsweise mit „Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten.” Von allen Bibeln, die ich konsultiert habe, übersetzt nur die Elberfelder Bibel diesen Text ohne Änderung des hebräischen Originals. Das ist aufschlussreich, denn für einen christlichen Theologen ist es unvorstellbar, dass der Geist Gottes auf allen Menschen ruht, in diesem Zusammenhang sogar auf den Bösen. Dieser Text ist interessant, weil er den Menschen nach dem beschreibt, was die Kirche als „Sündenfall” bezeichnet. Eine korrekte Übersetzung von Genesis 6,3 hat eine Lawine von Konsequenzen zur Folge, die für jeden christlichen Theologen unvorstellbar sind, weshalb die Übersetzer unserer Bibeln ein wenig basteln müssen. 
*Genau genommen betrachten die Bibelübersetzer das Verb yadôn als eine unregelmässige Konjugation des Verbes dîn. Da Gottes Geist nicht im gefallenen Menschen leben kann, muss der Hebräische Text logischerweise ein anderes Verb meinen, als es nach normalen grammatikalischen Regeln den Anschein hat.  
Geist
Von Chris Zürcher. Seite aktualisiert am 4. August 2024
By Chris Zürcher. Site updated on 14 July 2026
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